Pflegefall: Was tun? Ratgeber für Angehörige
Wenn ein Elternteil, der Partner oder ein enger Angehöriger zum Pflegefall wird, steht der Alltag Kopf. Viele Angehörige berichten, dass sie sich schuldig fühlen, weil sie nicht rund um die Uhr da sein können, weil der Beruf ruft, die eigene Familie wartet, die Kräfte nachlassen. Dieses Gefühl kennen wir. Dieser Ratgeber zeigt Ihnen ruhig und Schritt für Schritt, was jetzt zu tun ist und welche Wege es zu einer würdevollen Betreuung zu Hause gibt. Als Stiftung Warentest Testsieger (Ausgabe test 05/2017) begleiten wir Familien seit über 15 Jahren durch genau diese Situation.
Was bedeutet Pflegefall? Definition und gesetzliche Grundlage
Ein Pflegefall beschreibt eine Person, die wegen körperlicher, geistiger oder psychischer Einschränkungen ihren Alltag nicht mehr eigenständig bewältigen kann. Gemäß § 14 SGB XI gilt als pflegebedürftig, wer voraussichtlich mindestens sechs Monate auf regelmäßige Hilfe angewiesen ist. Die soziale Pflegeversicherung stuft den Hilfebedarf über die Pflegekasse in fünf Pflegegrade ein. Je höher die Einschränkung, desto höher ist der Grad und damit die finanziellen Leistungen.
Die Einstufung erfolgt durch den Medizinischen Dienst (MD) bei gesetzlich Versicherten oder durch Medicproof bei privat Versicherten. Bewertet werden sechs Lebensbereiche: Mobilität, kognitive Fähigkeiten, Verhaltensweisen, Selbstversorgung, Umgang mit Krankheit und Alltagsleben. Der Begriff „Pflegefall“ klingt sachlich, dahinter stehen jedoch individuelle Lebensgeschichten und Familien, die Halt suchen.
Anzeichen erkennen: Wann liegt ein Pflegefall vor?
- zunehmende Unsicherheit beim Gehen, häufige Stürze oder Sturzangst
- Vernachlässigung der Körperhygiene oder des Haushalts
- Vergesslichkeit bei Terminen, Medikamenten oder vertrauten Wegen
- Rückzug aus sozialen Kontakten und Interessenverlust
- ungewollter Gewichtsverlust oder unregelmäßige Mahlzeiten
- Überforderung mit Post, Rechnungen oder Behördenkontakten
Zeigen sich mehrere dieser Anzeichen über Wochen, sollten Sie das Gespräch suchen und über Unterstützung nachdenken. Je früher Sie handeln, desto sanfter gelingt der Übergang in eine Betreuung.
| Pflegegrad | Beeinträchtigung | Pflegegeld / Monat | Pflegesachleistung |
|---|---|---|---|
| Grad 1 | Geringe BeeinträchtigungHilfebedarf in einzelnen Bereichen | kein Pflegegeldnicht vorgesehen | nicht vorgesehenambulanter Pflegedienst |
| Grad 2 | Erhebliche BeeinträchtigungSelbstständigkeit deutlich eingeschränkt | 347 €häusliche Pflege durch Angehörige | 796 €ambulanter Pflegedienst |
| Grad 3 | Schwere BeeinträchtigungUmfangreiche Unterstützung notwendig | 599 €häusliche Pflege durch Angehörige | 1.497 €ambulanter Pflegedienst |
| Grad 4 | Schwerste BeeinträchtigungWeitgehende Abhängigkeit von Hilfe | 800 €häusliche Pflege durch Angehörige | 1.859 €ambulanter Pflegedienst |
| Grad 5 | Schwerste Beeinträchtigung mit besonderem BedarfVollständige Abhängigkeit, oft besonderer Versorgungsbedarf | 990 €häusliche Pflege durch Angehörige | 2.299 €ambulanter Pflegedienst |
Die fünf Pflegegrade nach SGB XI, Einstufung durch den Medizinischen Dienst (MD). Pflegegeldbeträge 2026, häusliche Pflege. Genauere Berechnungen bietet der Pflegegradrechner.
Erste Schritte nach dem Pflegefall
Erste Schritte nach dem Pflegefall gelingen besser, wenn Sie wissen, was als nächstes kommt. Nach dem ersten Schock zählt Struktur. Diese fünf Maßnahmen helfen Ihnen, in den ersten Tagen und Wochen die richtigen Weichen zu stellen, auch wenn die Situation sich überwältigend anfühlt.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Pflegegrad bei der Pflegekasse beantragen, formlos per Anruf oder E-Mail
- Beratung nutzen: Pflegestützpunkt, COMPASS oder unser kostenloses Erstgespräch
- Betreuungssituation dokumentieren (Pflegetagebuch für den MDK)
- Rechtsvorsorge klären: Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung
- Betreuungsform wählen, die zur Familie und zum Angehörigen passt
Schritt 1: Pflegegrad beantragen
Schritt 2: Beratung in Anspruch nehmen
Schritt 3: Rechtliche Vorsorge klären
Ihre Checkliste: Erste Schritte nach dem Pflegefall 72 Stunden
Haken Sie jeden erledigten Schritt ab, so behalten Sie den Überblick in einer stressigen Situation.
0 von 8 Schritten erledigt
Pflegekosten im Überblick: Wer zahlt was?
| Leistungsträger und Zuständigkeiten | |
| Leistungsträger | Wofür zuständig |
| Pflegekasse | Pflegegeld, Pflegesachleistungen, Entlastungsbetrag |
| Verhinderungspflege | Vertretung bei Ausfall der pflegenden Person |
| Kurzzeitpflege | vorübergehende Betreuung nach Krankenhausaufenthalt |
| Krankenkasse | medizinische Behandlungspflege, Hilfsmittel |
| Sozialhilfe | Auffangnetz bei fehlendem Einkommen |
Bei einer Betreuung zu Hause durch eine Betreuungskraft aus Osteuropa rechnen Sie ab 2.600 € im Monat. Einen Teil davon refinanzieren Sie durch Verhinderungspflege, das monatliche Pflegegeld und die steuerliche Absetzbarkeit. Unsere Berater unterstützen Sie bei der Antragstellung und zeigen Ihnen die konkreten Einsparmöglichkeiten für Ihre Situation. Einen detaillierten Kostenvergleich finden Sie in unserem Servicebereich.
Betreuungsformen im Pflegefall: Welche Option passt?
Betreuungsformen im Pflegefall gibt es drei, und jede hat je nach Situation ihre Berechtigung. Nach der Einstufung stellt sich die zentrale Frage: Wie soll die Betreuung konkret aussehen?
Ambulanter Pflegedienst
Stationäre Unterbringung
Betreuung im häuslicher Umfeld
Als Beratungs- und Vermittlungsagentur begleiten wir Sie und Ihre Angehörigen umfassend, von der ersten Frage bis zur monatlichen Qualitätsvisite. Wir arbeiten nach DIN SPEC 33454, dem ersten und einzigen Branchenstandard für häusliche Betreuungsvermittlung, den wir als Pionier mitentwickelt haben. Ergänzt wird diese Betreuung häufig durch technische Sicherheit wie einen Seniorennotruf, der im Notfall auf Knopfdruck Hilfe herbeiruft.
Vorzeitige Beendigung der Pflegezeit
FAQ: Häufige Fragen zum Pflegefall
Wie lange dauert die MDK-Begutachtung?
Kann ich mein Haus im Pflegefall verlieren?
Was ist ein Seniorennotruf und wann ist er sinnvoll?
Wie schnell kann eine Betreuungskraft organisiert werden?
Wo finde ich weitere Beratung und Informationen?
Markus Küffel gründete die Pflege zu Hause Küffel GmbH in Hamburg und verfügt über 20 Jahre Erfahrung im Bereich häusliche Pflege und Betreuung. Als Diplom Gesundheitswissenschaftler und examinierter Gesundheits- und Krankenpfleger bringt er umfassendes Fachwissen und praxisnahe Erfahrung in die Vermittlung von Betreuungskräften ein.
Vor der Gründung seines Unternehmens war er in verschiedenen Bereichen des Gesundheitswesens tätig und sammelte umfangreiche und wertvolle Einblicke in die Bedürfnisse von Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen. Mit seinem Ratgeber „24 Stunden Pflege zu Hause – So finden Sie die optimale Betreuung“ (Springer, 2021) sowie seiner Mitwirkung an der Entwicklung des derzeit ersten und einzigen Qualitätsstandards der sog. DIN SPEC 33454 setzt er sich aktiv für Transparenz und Qualität in der häuslichen Betreuung ein.
Von 2018 bis 2020 war er Vorstandsmitglied des Bundesverbandes für häusliche Betreuung und Pflege. Seit August 2019 gehört Küffel dem interdisziplinären Forschungsnetzwerk „Osteuropäische Betreuungskräfte“ der Evangelische Hochschule Nürnberg an.
Für weitere Informationen zu Markus Küffel, besuchen Sie gerne seine Autorenseite.


