Pflegende Angehörige im Fokus: Alles Wichtige zur häuslichen Pflege von Familienmitgliedern
Die Entscheidung, nahe Angehörige zu Hause zu pflegen, ist ein tiefgreifender Akt der Fürsorge und Liebe. Rund um das Thema Pflege gibt es viele offene Fragen, besonders wenn die Pflege durch Angehörige organisiert wird. Doch wenn Eltern, Partner oder andere nahe Familienmitglieder plötzlich auf Hilfe angewiesen sind, stehen viele Betroffene vor einer monumentalen Herausforderung.
Viele Menschen, die sich um ihre Angehörige kümmern, fühlen sich anfangs überfordert. Die Sorge um das Wohlergehen der Liebsten mischt sich oft mit der Angst, im Dschungel der Bürokratie den Überblick zu verlieren. Es ist essenziell, dass Angehörige wissen, wo es passende Unterstützung gibt.
Um Ihnen in dieser verantwortungsvollen Phase Orientierung zu geben, haben wir an dieser Stelle das Wichtigste rund um Ihre Rechte, die finanzielle Unterstützung sowie konkrete Entlastungsmöglichkeiten zusammengefasst – denn wir wissen aus eigener Erfahrung, dass die häusliche Pflege eine enorme Belastung sein kann.
Auf einen Blick: Unterstützung für pflegende Angehörige
- Pflegegrad als Basis: Stellen Sie den Antrag bei der Pflegekasse sofort bei ersten Anzeichen von Pflegebedürftigkeit. Leistungen werden erst ab dem Monat der Antragstellung gezahlt.
- Finanzielle Mittel: Nutzen Sie das monatliche Pflegegeld (347 € bis 990 €) sowie den Entlastungsbetrag von 131 € für Haushaltshilfe oder Alltagsbegleitung.
- Gemeinsamer Jahresbetrag: Seit Juli 2025 stehen Ihnen für Urlaubs- oder Krankheitszeiten bis zu 3.539 € pro Jahr flexibel für Verhinderungs- und Kurzzeitpflege zur Verfügung.
- Ihre Absicherung: Unter bestimmten Voraussetzungen zahlt die Kasse Beiträge in Ihre Rentenversicherung sowie zur Arbeitslosen- und Unfallversicherung.
- Rechtliche Vorsorge: Erstellen Sie zeitnah eine Vorsorgevollmacht, eine Patientenverfügung und eine Notfallmappe, damit die Versorgung auch dann gesichert ist, wenn Sie selbst einmal ausfallen sollten.
- Entlastung finden: Sie müssen nicht alles allein schaffen. Angebote wie die Tagespflege, kostenlose Pflegekurse (§ 45 SGB XI) oder eine häusliche 24 Stunden Betreuung bewahren Sie vor Überlastung und Burnout.
Die neue Lebensrealität: Wenn aus Angehörigen plötzlich Pflegende werden
Der Übergang in die häusliche Pflege von Angehörigen geschieht selten über Nacht. Meist ist es ein schleichender Prozess, der mit kleinen Beobachtungen beginnt und schließlich in der Erkenntnis mündet: „Wir brauchen Hilfe.“ Für viele Familien markiert dieser Moment den Beginn einer völlig neuen Lebensphase, die von Unsicherheit, Sorge, aber auch von dem tiefen Wunsch geprägt ist, das Beste für die Eltern oder den Partner zu tun.
Anzeichen für Pflegebedürftigkeit: Worauf Sie achten sollten
- Körperliche Warnsignale: Achten Sie auf eine zunehmende Unsicherheit beim Gehen oder Schwierigkeiten beim Aufstehen aus dem Sessel. Häufige Stürze (auch wenn sie verharmlost werden), blasse Haut, unerklärliche blaue Flecken (Hämatome) oder ein auffälliger Gewichtsverlust sind deutliche Indikatoren, dass die körperliche Kraft nachlässt.
- Kognitive und psychische Veränderungen: Eine zunehmende Vergesslichkeit – etwa bei wichtigen Terminen oder der Medikamenteneinnahme – ist oft mehr als nur eine Alterserscheinung. Auch Orientierungslosigkeit in vertrauter Umgebung, plötzliche Aggressivität, Apathie oder ein Rückzug aus dem sozialen Leben sind ernstzunehmende Signale.
- Veränderungen im Haushalt und Alltag: Ein Blick in die gewohnte Umgebung verrät oft am meisten. Bleibt die Post ungeöffnet? Stapeln sich unbezahlte Rechnungen? Finden Sie verdorbene Lebensmittel im Kühlschrank oder wirkt der sonst gepflegte Haushalt vernachlässigt? Auch eine nachlassende Körperhygiene oder das wiederholte Tragen derselben, verschmutzten Kleidung zeigt, dass die täglichen Routinen zur Last werden.
Die psychologische Hürde: Kann und will ich die Pflege übernehmen?
Fragen Sie sich ganz offen:
- Körperliche Belastbarkeit: Erlaubt es meine eigene Gesundheit, eine andere Person beim Aufstehen zu stützen oder gar zu heben?
- Die emotionale Ebene: Wie ist mein tatsächliches Verhältnis zur pflegebedürftigen Person? Gibt es ungeklärte alte Konflikte, die durch die enge Pflegesituation nun eskalieren könnten?
- Wahrung der Distanz: Kann ich die Intimsphäre bei der Körperpflege wahren und gleichzeitig die nötige emotionale Distanz finden, um nicht an der Belastung zu zerbrechen?
Es ist wichtig zu verstehen: Es ist absolut kein Versagen, wenn Sie für sich feststellen, dass Sie die Pflege übernehmen möchten, aber an Ihre Grenzen stoßen. Wahre Stärke bedeutet, diese Grenzen zu kennen und rechtzeitig professionelle Unterstützung für pflegende Angehörige zu suchen. Nur wer gut für sich selbst sorgt, kann auch dauerhaft für andere da sein.
Der Weg zum Pflegegrad: So sichern Sie die Unterstützung
Damit Sie als pflegende Angehörige Leistungen der Pflegeversicherung beanspruchen können, ist die Einstufung in einen Pflegegrad die Grundvoraussetzung. Der Prozess folgt klaren Regeln.
1. Die Antragstellung: Schnell und formlos
- Wo? Bei der Pflegekasse (Ihrer Krankenkasse angegliedert).
- Wie? Ein formloser Anruf oder eine E-Mail genügt. Empfehlung: Senden Sie den Antrag schriftlich per Einschreiben als Beleg.
- Frist: Die Kasse muss innerhalb von 25 Arbeitstagen entscheiden. Bei Verzögerung ohne Grund stehen Ihnen oft 70 € pro Woche zu.
2. Die Begutachtung: Was wird geprüft?
- Mobilität (10 %): Aufstehen, Treppensteigen, Gehen.
- Kognition & Kommunikation (15 %*): Orientierung, Erkennen von Personen.
- Psyche & Verhalten (15 %*): Unruhe, Ängste oder Aggressionen.
- Selbstversorgung (40 %): Waschen, Essen, Toilettengang (Wichtigstes Modul!).
- Therapie-Bewältigung (20 %): Medikamentengabe, Arztbesuche.
- Alltagsgestaltung (15 %): Kontakte pflegen, Tagesablauf planen.
*(Der höhere Wert aus Modul 2 oder 3 fließt in die Gesamtwertung ein.)
Expertentipp von Pflege zu Hause Küffel: Das Pflegetagebuch
Dokumentieren Sie 7–14 Tage vor dem Termin jede Hilfeleistung (z. B. „Hilfe beim Aufstehen, 5 Min.“). Da sich viele Betroffene beim Gutachterbesuch „zusammenreißen“, ist Ihr Tagebuch der wichtigste Beweis für die reale Belastung im Alltag.
3. Wenn der Bescheid nicht passt: Widerspruch einlegen
- Frist einhalten: Sie haben einen Monat Zeit für einen schriftlichen Widerspruch.
- Gutachten prüfen: Fordern Sie das MD-Gutachten an, um Fehler bei der Punktevergabe zu finden.
- Hilfe nutzen: Sozialverbände (VdK, SoVD) oder spezialisierte Anwälte unterstützen Sie dabei, Ihr Recht durchzusetzen.
Pflege und Beruf vereinbaren: Ihre gesetzlichen Rechte
- Akute Hilfe: Die 10-Tage-Regelung gilt pro Pflegefall, um bei plötzlicher Pflegebedürftigkeit alles Nötige in die Wege zu leiten. So können Sie sich kurzzeitig von der Arbeit freistellen lassen.
- Pflegezeit & Familienpflegezeit: Wer die Betreuung langfristig übernimmt, kann sich ganz oder teilweise von der Arbeit freistellen lassen. Während Sie bei der Pflegezeit eine komplette Freistellung für bis zu 6 Monate nutzen können, müssen Sie bei der Familienpflegezeit (bis zu 24 Monate) noch mindestens 15 Stunden pro Woche arbeiten.
- Darlehen: Da bei längeren Auszeiten der Lohn entfällt oder sinkt, hilft ein staatliches zinsloses Darlehen über das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA, zuständig für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben), um den Lebensunterhalt abzusichern. Sie haben einen Anspruch darauf, sich für die Pflege von der Arbeit freistellen zu lassen, wobei ein besonderer Kündigungsschutz greift.
| Modell | Dauer | Voraussetzungen | Finanzierung |
|---|---|---|---|
| Kurzzeitige Arbeitsverhinderung | Bis zu 10 Tage | Jede Betriebsgröße | Pflegeunterstützungsgeld (ca. 90 % Netto) |
| Pflegezeit | Bis zu 6 Monate | Betrieb > 15 Pers. | Zinsloses Darlehen (BAFzA) |
| Familienpflegezeit | Bis zu 24 Monate | Betrieb > 25 Pers. | Arbeitszeit mind. 15h + zinsloses Darlehen |
Tipp von Pflege zu Hause Küffel
Gehen Sie frühzeitig und offen auf Ihren Arbeitgeber zu. Oft lassen sich neben den gesetzlichen Ansprüchen auch individuelle Lösungen wie Homeoffice oder flexible Gleitzeit finden.
Rund um die Pflege im Alltag: Praktisches Wissen für eine häusliche Betreuung
Die häusliche Pflege von Angehörigen ist körperlich und emotional fordernd. Um diese Aufgabe langfristig gesund zu bewältigen, müssen Sie den Unterschied zwischen den Pflegearten kennen und wissen, welche praktischen Kniffe Ihren Rücken und die Würde des Pflegebedürftigen schützen.
Grundpflege vs. Behandlungspflege: Wer übernimmt was?
- Grundpflege: Hier geht es um die allgemeine Lebensführung. Dazu gehören Körperpflege (Waschen, Duschen), die Ernährung (Zubereitung, Anreichen von Speisen) und die Mobilität (Aufstehen, Ankleiden, Lagerung). Diese Aufgaben übernehmen meist pflegende Angehörige oder eine Betreuungskraft.
- Behandlungspflege (§ 37 SGB V): Dies sind rein medizinische Leistungen, die ein Arzt verordnet hat. Beispiele sind Verbandswechsel, Wundversorgung, Injektionen oder die Medikamentengabe. Diese Aufgaben dürfen in der Regel nur von examiniertem Fachpersonal (ambulanter Pflegedienst) durchgeführt und direkt mit der Krankenkasse abgerechnet werden.
Praxistipps für die Grundpflege: Körperpflege, Ernährung und Mobilität
- Würdevolle Körperpflege:
- Fördern Sie die Selbstständigkeit: Lassen Sie die pflegebedürftige Person so viel wie möglich selbst tun (z. B. das Waschen des Gesichts), auch wenn es länger dauert. Das erhält das Selbstwertgefühl.
- Sicherheit im Bad: Nutzen Sie Hilfsmittel wie Duschstühle, Haltegriffe und Antirutschmatten. Ein warmes Bad oder eine Dusche sollte immer ohne Zeitdruck stattfinden.
- Ernährung und Flüssigkeitszufuhr:
- Kleine Einheiten: Viele ältere Menschen verlieren das Hungergefühl. Bieten Sie lieber fünf kleine, energiereiche Mahlzeiten über den Tag verteilt an statt drei große.
- Trinkrituale: Dehydrierung ist eine große Gefahr. Stellen Sie Getränke immer in Sichtweite bereit und führen Sie feste Rituale ein (z. B. ein Glas Wasser zu jeder Nachrichtensendung). Bei Schluckbeschwerden kann angedickte Flüssigkeit helfen.
- Fingerfood: Bei Demenz hilft es oft, Nahrung in mundgerechte Stücke zu schneiden, die man mit der Hand essen kann, wenn der Umgang mit Besteck zu schwierig wird.
- Mobilität und rückenschonendes Arbeiten:
- Die richtige Technik: Pflegen Sie niemals mit rundem Rücken! Gehen Sie in die Hocke und arbeiten Sie aus der Kraft Ihrer Beine heraus.
- Hilfsmittel als Standard: Nutzen Sie Gleitmatten für den Transfer im Bett oder Aufstehhilfen. Das schont Ihre Gelenke und gibt der pflegebedürftigen Person Sicherheit.
- Bewegungsreize setzen: Schon kleine Dehnübungen oder kurzes Stehen am Waschbecken fördern die Durchblutung und verhindern eine Gelenkversteifung.
Wichtiger Hinweis zur Dekubitus-Prävention
Achten Sie bei bettlägerigen Personen täglich auf Hautrötungen an Druckstellen wie Fersen, Steiß oder Ellbogen. Wenn eine Rötung bei leichtem Fingerdruck nicht verschwindet, droht ein Geschwür. Regelmäßiges Umlagern (alle 2-3 Stunden) ist hier die wichtigste Maßnahme.
Pflegekurse für Angehörige: Ihr Recht auf Expertenwissen
- Individuelle Schulung: Diese Kurse finden oft in Gruppen statt, können aber auf Antrag auch direkt bei Ihnen in der häuslichen Umgebung durchgeführt werden. Ein Experte zeigt Ihnen dann direkt an Ihrem Angehörigen, wie Sie Griffe und Techniken optimal anwenden.
- Kostenübernahme: Die Kosten werden komplett von der Kasse getragen, Sie müssen nichts dazuzahlen.
Hilfsmittel und Wohnraum: Sicherheit, Hygiene und Entlastung im Alltag
- Pflegehilfsmittel zum Verbrauch & Hygiene: Ab Pflegegrad 1 steht Ihnen die monatliche „Pflegebox“ (42 € Pauschale) für Handschuhe, Desinfektionsmittel und Bettschutzeinlagen zu. Ebenso wichtig für die Würde der pflegebedürftigen Person sind notwendige Inkontinenzprodukte (Einlagen, Pants), die zur täglichen Hygiene gehören. Diese werden vom Hausarzt auf Rezept verordnet und von der Kasse bezuschusst.
- Technische Hilfsmittel: Ein elektrisch verstellbares Pflegebett ist oft unerlässlich für rückenschonendes Arbeiten und die Mobilität im Alltag. Auch ein Hausnotrufsystem bietet Ihnen Sicherheit, wenn Sie einmal nicht im Raum sind. Viele dieser Geräte können von der Kasse auch leihweise zur Verfügung gestellt werden.
- Wohnraumanpassung: Wenn Treppen oder hohe Badewannen zum unüberwindbaren Hindernis werden, zahlt die Pflegekasse einen Zuschuss von bis zu 4.180 € pro Maßnahme (z. B. für einen Badumbau oder Treppenlift). Leben mehrere Pflegebedürftige zusammen, kann dieser Betrag auf bis zu 16.000 € steigen. Wichtig: Den Antrag unbedingt vor Baubeginn stellen.
Rechtliche Vorsorge: Handlungsfähig bleiben, wenn es darauf ankommt
Das Thema der rechtlichen Absicherung wird oft so lange verdrängt, bis eine akute Situation eintritt. Doch für die häusliche Pflege von Angehörigen ist es von entscheidender Bedeutung, dass im Ernstfall klar geregelt ist, wer im Sinne der pflegebedürftigen Person handeln darf. Ohne diese Dokumente sind selbst engsten Angehörigen oft die Hände gebunden – etwa bei Bankgeschäften, der Kündigung von Mietverträgen oder folgenschweren medizinischen Entscheidungen.
Die Vorsorgevollmacht: Vertrauen schriftlich fixieren
- Wirkung: Sie tritt sofort in Kraft, wenn der Vorsorgefall eintritt. Eine gerichtliche Bestellung eines Betreuers wird dadurch in der Regel überflüssig.
- Bereiche: Sie sollte umfassend sein und Bereiche wie Vermögenssorge, Gesundheitsfürsorge, Aufenthaltsbestimmung sowie Post- und Fernmeldeverkehr abdecken.
Die Betreuungsverfügung: Der Wunschzettel für das Gericht
- Personenwahl: Sie legen fest, wer vom Gericht als Betreuer eingesetzt werden soll – oder wer auf gar keinen Fall infrage kommt.
- Kontrolle: Im Gegensatz zur Vorsorgevollmacht unterliegt der eingesetzte Betreuer der Kontrolle durch das Betreuungsgericht. Dies bietet ein zusätzliches Maß an Sicherheit, ist aber auch bürokratisch aufwendiger.
Die Patientenverfügung: Klarheit für medizinische Entscheidungen
- Inhalt: Sie definieren darin konkret, welche ärztlichen Maßnahmen (z. B. künstliche Beatmung oder Ernährung) Sie in bestimmten Situationen wünschen oder ausdrücklich ablehnen.
- Bindung: Eine schriftliche Patientenverfügung ist für Ärzte rechtlich bindend, sofern sie auf die aktuelle Lebens- und Behandlungssituation zutrifft. Sie nimmt den pflegenden Angehörigen die schwere Last ab, in Extremsituationen über „Leben und Tod“ raten zu müssen.
Unser Expertentipp
Lassen Sie die Dokumente am besten notariell beurkunden oder zumindest durch die örtliche Betreuungsbehörde beglaubigen. Zudem ist es ratsam, die Vollmachten im Zentralen Vorsorgeregister der Bundesnotarkammer registrieren zu lassen, damit sie im Notfall von Gerichten und Ärzten sofort gefunden werden.
Der Notfallplan: Sicherheit, wenn Sie als Pflegeperson ausfallen
Hinterlegen Sie dazu an einem zentralen, leicht zugänglichen Ort (z. B. direkt neben dem Telefon oder an der Innenseite der Wohnungstür) eine klar gekennzeichnete Notfallmappe, die folgende Informationen bündelt:
- Medikamentenplan & Diagnosen: Welche Medikamente müssen wann und in welcher Dosierung eingenommen werden? Welche Vorerkrankungen oder Allergien liegen vor? Legen Sie hier auch Kopien der letzten Arztbriefe ab.
- Wichtige Kontakte: Telefonnummern des Hausarztes, des Pflegedienstes, der Apotheke sowie von Angehörigen oder Nachbarn, die im Notfall sofort informiert werden sollen.
- Handlungsanweisungen: Kurze Notizen zu den täglichen Routinen der pflegebedürftigen Person. Wo befinden sich die Hilfsmittel (Rollator, Hörgeräte)? Gibt es Besonderheiten beim Essen oder bei der Mobilität?
- Vorsorgedokumente: Kopien der Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung sowie der Versicherungskarte Ihres Angehörigen.
Unser Expertentipp zur Krisenvorsorge
Informieren Sie mindestens zwei Personen aus Ihrem Umfeld über die Existenz und den Ort dieser Mappe.
Tragen Sie zudem eine „Notfallkarte“ in Ihrem eigenen Portemonnaie bei sich, auf der vermerkt ist: „Ich pflege einen Angehörigen zu Hause. Bitte informieren Sie im Notfall sofort [Name/Telefonnummer].“ So stellen Sie sicher, dass Ihr Liebster nicht unversorgt bleibt, während Sie selbst medizinische Hilfe erhalten.
Besondere Pflegesituationen: Herausforderungen mit Herz und Wissen begegnen
Manche Pflegesituationen lassen sich nicht mit Standardlösungen bewältigen. Sie erfordern eine tiefe Anpassung an die veränderte Wahrnehmung oder die körperlichen Bedürfnisse der pflegebedürftigen Person. Hier ist es entscheidend, dass Sie als pflegende Angehörige nicht nur funktionieren, sondern die Situation mit Empathie und den richtigen Strategien steuern.
Pflege bei Demenz: Eine Reise in eine andere Welt
- Besonderheiten in der Kommunikation: Streiten Sie nicht über Fakten. Wenn Ihr Angehöriger behauptet, er müsse jetzt „zur Arbeit“ (obwohl er seit 20 Jahren in Rente ist), korrigieren Sie ihn nicht. Gehen Sie stattdessen auf das Gefühl hinter der Aussage ein („Du warst immer sehr pflichtbewusst, erzähl mir von deiner Arbeit“). Diese Methode, die „Validierung“, schafft Vertrauen und senkt das Aggressionspotenzial.
- Sicherheit in der häuslichen Umgebung: Menschen mit Demenz entwickeln oft einen starken Bewegungsdrang („Hinlauftendenz“). Sichern Sie die Wohnung dezent ab: Verstecken Sie Haustürschlüssel, nutzen Sie Herdschutzgitter oder installieren Sie Sensormatten, die Sie informieren, wenn der Angehörige nachts das Bett verlässt.
- Struktur gibt Halt: Ein fester Tagesablauf mit wiederkehrenden Ritualen wirkt wie ein Geländer, an dem sich Betroffene orientieren können. Das gibt Sicherheit und reduziert Ängste.
Palliativpflege zu Hause: Würdevolle Begleitung am Lebensende
- Professionelle Netzwerke nutzen (SAPV): Sie müssen diese schwere Phase nicht allein bewältigen. Die „Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung“ (SAPV) besteht aus Teams von spezialisierten Ärzten und Pflegekräften, die 24/7 erreichbar sind. Sie stellen sicher, dass Symptome wie Atemnot oder starke Schmerzen sofort gelindert werden können.
- Die Rolle der Angehörigen: In der letzten Lebensphase geht es oft weniger um das „Tun“ als vielmehr um das „Dasein“. Halten Sie die Hand, hören Sie zu oder schaffen Sie durch vertraute Musik und Düfte eine friedliche Atmosphäre.
- Abschied nehmen dürfen: Erlauben Sie sich selbst, in dieser Zeit Unterstützung anzunehmen – sei es durch einen ambulanten Hospizdienst, der Ihnen für einige Stunden die Sitzwache abnimmt, damit Sie schlafen oder organisatorische Dinge regeln können.
Unser Rat für diese Phasen
Besonders bei Demenz und in der Palliativphase stoßen pflegende Angehörige oft an ihre psychischen Belastungsgrenzen. Es ist kein Zeichen von Schwäche, in diesen Momenten über eine ergänzende professionelle Betreuung nachzudenken, um die wertvolle Zeit als Familienmitglied (und nicht nur als Pflegekraft) verbringen zu können.
Wenn aus Angehörigen Pflegende werden: Ein Weg, den Sie nicht allein gehen müssen
Genau hier setzen wir von Pflege zu Hause Küffel an. Wir sind darauf spezialisiert, Ihnen die Last der täglichen Grundpflege und Hauswirtschaft abzunehmen, damit Sie wieder die wertvolle Zeit als Familie genießen können. Als Testsieger bei Stiftung Warentest (Ausgabe test 05/2017) und zertifizierter Pionier für Qualitätsstandards in der 24 Stunden Pflege bieten wir Ihnen die Sicherheit und Rechtmäßigkeit, die Sie in dieser sensiblen Situation brauchen.
Sie müssen diesen Weg nicht allein gehen. Kontaktieren Sie uns für ein unverbindliches Beratungsgespräch zu unseren Leistungen in der 24 Stunden Betreuung – von Mensch zu Mensch.
FAQ für pflegende Angehörige
Welche finanzielle Unterstützung gibt es für pflegende Angehörige 2026?
Welche Vorteile habe ich als Pflegeperson?
Wo finde ich Beratungsstellen für pflegende Angehörige in meiner Nähe?
Wie kann ich Pflege und Beruf vereinbaren?
- Kurzzeitige Arbeitsverhinderung: Bei akuten Notfällen können Sie sich bis zu 10 Tage von der Arbeit freistellen lassen und erhalten in dieser Zeit Pflegeunterstützungsgeld (ca. 90 % des Nettolohns).
- Pflegezeit: Sie können sich für bis zu 6 Monate vollständig oder teilweise von der Arbeit freistellen lassen.
- Familienpflegezeit: Dieses Modell erlaubt eine teilweise Auszeit von bis zu 24 Monaten (bei einer Mindestarbeitszeit von 15 Stunden/Woche).
Um finanzielle Engpässe in den längeren Auszeiten aufzufangen, können Sie ein staatliches, zinsloses Darlehen beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben beantragen.
Wo finde ich Hilfe bei Überforderung durch die Pflege der Eltern?
Welche Möglichkeiten zur Entlastung für Pflegende von Familienmitgliedern gibt es?
Markus Küffel gründete die Pflege zu Hause Küffel GmbH in Hamburg und verfügt über 20 Jahre Erfahrung im Bereich häusliche Pflege und Betreuung. Als Diplom Gesundheitswissenschaftler und examinierter Gesundheits- und Krankenpfleger bringt er umfassendes Fachwissen und praxisnahe Erfahrung in die Vermittlung von Betreuungskräften ein.
Vor der Gründung seines Unternehmens war er in verschiedenen Bereichen des Gesundheitswesens tätig und sammelte umfangreiche und wertvolle Einblicke in die Bedürfnisse von Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen. Mit seinem Ratgeber „24 Stunden Pflege zu Hause – So finden Sie die optimale Betreuung“ (Springer, 2021) sowie seiner Mitwirkung an der Entwicklung des derzeit ersten und einzigen Qualitätsstandards der sog. DIN SPEC 33454 setzt er sich aktiv für Transparenz und Qualität in der häuslichen Betreuung ein.
Von 2018 bis 2020 war er Vorstandsmitglied des Bundesverbandes für häusliche Betreuung und Pflege. Seit August 2019 gehört Küffel dem interdisziplinären Forschungsnetzwerk „Osteuropäische Betreuungskräfte“ der Evangelische Hochschule Nürnberg an.
Für weitere Informationen zu Markus Küffel, besuchen Sie gerne seine Autorenseite.



