Pflegebedürftigkeit – Wenn ein Angehöriger plötzlich Hilfe braucht
Wenn ein geliebter Mensch plötzlich Hilfe im Alltag benötigt, stellt das viele Familien vor große Fragen. Dinge, die früher selbstverständlich waren – einkaufen, kochen, sich anziehen oder Termine wahrnehmen – werden zunehmend schwieriger. Angehörige möchten helfen, stoßen jedoch neben Beruf, eigener Familie und persönlichen Verpflichtungen schnell an ihre Grenzen. In dieser Situation tauchen oft viele Unsicherheiten auf:
- Ab wann gilt jemand eigentlich als pflegebedürftig?
- Wie beantragt man einen Pflegegrad?
- Welche Leistungen stehen Betroffenen zu?
- Und welche Möglichkeiten gibt es, Pflege zu Hause zu organisieren?
Die gute Nachricht: Sie müssen diesen Weg nicht alleine gehen. In Deutschland gibt es ein umfangreiches System der Pflegeversicherung, das Betroffene und ihre Familien unterstützen soll. Dieser Ratgeber erklärt Ihnen Schritt für Schritt:
- was Pflegebedürftigkeit genau bedeutet
- welche Ursachen dazu führen können
- wie Sie Pflegebedürftigkeit feststellen lassen
- und wie der Antrag auf einen Pflegegrad funktioniert
Unser Ziel ist es, Ihnen Orientierung zu geben – verständlich, praxisnah und aus der Perspektive eines erfahrenen Begleiters für Familien in Pflegesituationen.
Was ist Pflegebedürftigkeit?
Der Begriff Pflegebedürftigkeit ist gesetzlich definiert. Grundlage ist das Sozialgesetzbuch XI (SGB XI), das die Pflegeversicherung in Deutschland regelt. Demnach gilt eine Person als pflegebedürftig, wenn sie dauerhaft Unterstützung bei der Bewältigung ihres Alltags benötigt.
Gesetzliche Definition nach §14 SGB XI
Pflegebedürftig sind Personen, „die gesundheitlich bedingte Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten aufweisen und deshalb der Hilfe durch andere bedürfen.“
Pflegebedürftigkeit auf den Punkt gebracht
Damit ein offizieller Pflegegrad anerkannt wird, müssen folgende Kriterien erfüllt sein:
-
- Dauerhaftigkeit: Die Einschränkungen bestehen voraussichtlich für mindestens sechs Monate.
-
- Regelmäßigkeit: Die betroffene Person benötigt im Alltag wiederkehrende Unterstützung.
-
- Begutachtung: Die Einschränkung wird durch ein offizielles Gutachten des Medizinischen Dienstes (MD) oder von Medicproof festgestellt.
Diese Einschränkungen können sehr unterschiedlich sein. Sie betreffen beispielsweise:
- körperliche Fähigkeiten (z. B. Mobilität, Körperpflege)
- kognitive Fähigkeiten (z. B. Gedächtnis, Orientierung)
- psychische Belastungen (z. B. Angstzustände, Verhaltensauffälligkeiten)
Je nachdem, wie stark diese Einschränkungen ausgeprägt sind, wird ein sogenannter Pflegegrad festgelegt.
Der erste Schritt zur Lösung
Ein wichtiger Punkt: Pflegebedürftigkeit beginnt nicht erst bei schwerer Pflegebedürftigkeit. Viele Menschen benötigen zunächst nur Unterstützung bei einzelnen Aufgaben, zum Beispiel:
- Hilfe beim Duschen oder Anziehen
- Unterstützung beim Einkaufen
- Begleitung zu Arztterminen
- Erinnerung an Medikamente
Auch solche Situationen können bereits zu einem niedrigen Pflegegrad führen. Gerade deshalb ist es sinnvoll, sich frühzeitig über das Thema Pflege zu informieren.
Übersicht: Häufige Ursachen für Pflegebedürftigkeit
| Ursache | Beispiele |
|---|---|
| Alterungsprozesse | Mobilitätsverlust, Sturzrisiko |
| Demenz | Alzheimer, kognitive Einschränkungen |
| Chronische Erkrankungen | Diabetes, Parkinson, Herzkrankheiten |
| Schlaganfall | Lähmungen, Sprachstörungen |
| Unfälle | Verletzungen mit dauerhaften Einschränkungen |
Wichtig zu wissen
Pflegebedürftigkeit entwickelt sich oft schleichend. Angehörige bemerken zunächst kleine Veränderungen:
- Der Haushalt bleibt häufiger liegen
- Arzttermine werden vergessen
- Stürze oder Unsicherheiten beim Gehen nehmen zu
Solche Anzeichen sollten ernst genommen werden. Je früher Unterstützung organisiert wird, desto besser lässt sich der Alltag stabilisieren.
Pflegebedürftigkeit feststellen: Der Weg zum Pflegegrad
Die Feststellung erfolgt über die Pflegekasse, die Teil der Krankenversicherung ist. Der Prozess besteht im Wesentlichen aus drei Schritten:
Voraussetzungen: Die Vorversicherungszeit
Damit Leistungen der Pflegeversicherung in Anspruch genommen werden können, muss eine sogenannte Vorversicherungszeit erfüllt sein. Diese bedeutet:
- In den letzten 10 Jahren
- müssen mindestens 2 Jahre Beiträge zur Pflegeversicherung gezahlt worden sein.
In den meisten Fällen ist diese Voraussetzung automatisch erfüllt, da Arbeitnehmer und Rentner in Deutschland in der Regel pflegeversichert sind.
Gesetzlich oder privat versichert – wer begutachtet?
| Versicherung | Begutachtung durch |
|---|---|
| Gesetzlich Versicherte | Medizinischer Dienst (MD) |
| Privat Versicherte | Medicproof |
Beide Stellen prüfen anhand festgelegter Kriterien, wie stark die Selbstständigkeit eingeschränkt ist.
Pflegegrad beantragen: Ihre Schritt-für-Schritt-Anleitung
Schritt 1: Antrag bei der Pflegekasse stellen
Der erste Schritt ist ein Antrag bei der Pflegekasse. Diese ist immer bei der jeweiligen Krankenkasse angesiedelt. Der Antrag kann erfolgen:
- telefonisch
- schriftlich
- online (bei vielen Kassen möglich)
Wichtig: Ein formloser Antrag reicht bereits aus. Zum Beispiel so:
„Hiermit beantrage ich Leistungen der Pflegeversicherung für [Name der Person].“
Das genaue Formular kann anschließend nachgereicht werden.
Tipp: Zeitpunkt des Antrags ist entscheidend
Leistungen der Pflegeversicherung werden erst ab dem Monat der Antragstellung gezahlt. Deshalb gilt: Lieber frühzeitig beantragen als zu lange warten.
Schritt 2: Begutachtung durch den Medizinischen Dienst
Nach Eingang des Antrags beauftragt die Pflegekasse eine Begutachtung.Ein Gutachter des Medizinischen Dienstes (MD) oder von Medicproof vereinbart einen Termin für einen Hausbesuch.
- Das Ziel: Der Gutachter macht sich ein Bild davon, wie selbstständig die betroffene Person in ihrem gewohnten Umfeld ist.
- Wichtig: Dieser Termin ist die Basis für die spätere Einstufung. Bereiten Sie sich gut vor, indem Sie ärztliche Berichte bereitlegen und ein Pflegetagebuch führen (siehe unsere Tipps weiter unten).
- Hilfe beim Anziehen
- Unterstützung beim Duschen
- Medikamentengabe
- Begleitung zu Arztterminen
- nächtliche Hilfeleistungen
Gerade ältere Menschen neigen dazu, sich vor Fremden „zusammenzureißen“. Ein Pflegetagebuch hilft dabei, den tatsächlichen Unterstützungsbedarf realistisch darzustellen.
Schritt 3: Bescheid über den Pflegegrad
Nach der Begutachtung erstellt der Gutachter ein Gutachten und übermittelt es an die Pflegekasse. Anschließend erhalten Sie einen schriftlichen Bescheid, der festlegt:
- ob Pflegebedürftigkeit anerkannt wird
- welcher Pflegegrad (1–5) vorliegt
- welche Leistungen der Pflegeversicherung möglich sind
Was tun bei Ablehnung?
Falls kein Pflegegrad bewilligt wird oder der Pflegegrad zu niedrig erscheint, können Betroffene:
- Widerspruch einlegen
- eine erneute Begutachtung beantragen
Die Frist dafür beträgt in der Regel einen Monat nach Erhalt des Bescheids.
Wie wird Pflegebedürftigkeit gemessen?
Die 6 Module der Begutachtung (NBA)
Die Begutachtung vor Ort durch den Medizinischen Dienst (MD) oder Medicproof ist der entscheidende Moment im gesamten Verfahren. In diesem Termin wird aus Ihren persönlichen Schilderungen und der Beobachtung des Experten ein offizielles Ergebnis. Um dieses Ergebnis objektiv und für alle Betroffenen fair zu gestalten, nutzen die Gutachter ein standardisiertes System: das Neue Begutachtungsassessment (NBA).
Das Besondere an diesem Verfahren ist der Fokus auf die Selbstständigkeit. Es geht heute nicht mehr nur darum, wie viele Minuten Hilfe jemand beim Waschen oder Essen benötigt. Stattdessen schaut der Gutachter bei seinem Besuch ganz genau hin: Was kann die Person noch ohne fremde Hilfe bewältigen?
Um ein lückenloses Bild der Situation zu erhalten, unterteilt das NBA den Alltag in sechs verschiedene Lebensbereiche (Module). In jedem dieser Bereiche bewertet der Gutachter, wie stark die Selbstständigkeit eingeschränkt ist.
Die sechs Module der Pflegebegutachtung
| Modul | Was geprüft wird | Beispiele |
|---|---|---|
| 1. Mobilität | Beweglichkeit und körperliche Fortbewegung | Aufstehen, Treppensteigen, Positionswechsel im Bett |
| 2. Kognitive und kommunikative Fähigkeiten | Orientierung, Gedächtnis, Verstehen | Gespräche führen, Personen erkennen, Entscheidungen treffen |
| 3. Verhaltensweisen und psychische Problemlagen | Auffälliges Verhalten oder psychische Belastungen | nächtliche Unruhe, Angstzustände, Aggression |
| 4. Selbstversorgung | Fähigkeit zur eigenen Körperpflege | Waschen, Anziehen, Essen, Toilettengang |
| 5. Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen | Medizinische Versorgung | Medikamente einnehmen, Wunden versorgen, Arzttermine |
| 6. Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte | Strukturierung des Tages | Tagesablauf planen, soziale Kontakte pflegen |
Für jedes Modul wird bewertet, wie selbstständig eine Person noch ist. Daraus ergibt sich eine Punktzahl, die letztlich über den Pflegegrad (1–5) entscheidet.
Beispiel: Wie Einschränkungen bewertet werden
Ein Gutachter prüft zum Beispiel:
- Kann die Person selbstständig aufstehen und sich fortbewegen?
- Ist sie in der Lage, Medikamente eigenständig einzunehmen?
- Kann sie Gespräche führen und Entscheidungen treffen?
- Ist sie in der Lage, ihren Tagesablauf zu organisieren?
Je mehr Unterstützung nötig ist, desto höher fällt die Bewertung aus.
Experten-Tipps für den Gutachtertermin
Der Termin mit dem Gutachter ist für viele Familien ungewohnt. Eine gute Vorbereitung hilft, die Situation realistisch darzustellen. Dabei wichtig: Nichts beschönigen!
Viele ältere Menschen möchten möglichst selbstständig wirken und spielen ihre Probleme herunter. Für die Begutachtung ist jedoch entscheidend, wie der Alltag tatsächlich aussieht. Hilfreich ist es daher:
- Einschränkungen offen anzusprechen
- das zuvor geführte Pflegetagebuch vorzulegen
- ärztliche Unterlagen bereitzuhalten
- Angehörige beim Termin anwesend zu haben
So entsteht ein möglichst realistisches Bild der Situation.
Welche Leistungen stehen Pflegebedürftigen zu?
Die wichtigsten Leistungen im Überblick:
| Leistung | Zweck | Kurz erklärt |
|---|---|---|
| Pflegegeld | Unterstützung für pflegende Angehörige | Geldleistung für private Pflege |
| Pflegesachleistungen | Professionelle Pflege | Ambulanter Pflegedienst übernimmt Pflege |
| Entlastungsbetrag | Unterstützung im Alltag | 131 € monatlich für Betreuungsleistungen |
| Pflegehilfsmittel | Unterstützung bei der Pflege | z. B. Handschuhe, Desinfektionsmittel (bis 42 € monatlich) |
| Wohnumfeldverbesserung | Umbauten im Zuhause | Zuschüsse bis zu 4.180 € für barrierefreie Anpassungen |
Gut zu wissen
Viele Familien nutzen Kombinationen verschiedener Leistungen, zum Beispiel:
- Pflegegeld für Angehörige
- einen ambulanten Dienst für medizinische Aufgaben
- Entlastungsleistungen für Haushaltshilfe
So lässt sich die Pflege flexibel an die individuelle Situation anpassen.
Das richtige Betreuungskonzept finden
Wenn Pflegebedürftigkeit festgestellt wird, stellt sich für viele Familien die zentrale Frage: Wie kann die Pflege im Alltag organisiert werden? Die passende Lösung hängt stark von verschiedenen Faktoren ab:
- Pflegegrad
- Gesundheitszustand
- Wohnsituation
- Unterstützung durch Angehörige
- finanzielle Möglichkeiten
Grundsätzlich gibt es mehrere Modelle der Betreuung.
Experten-Tipp: Pflege individuell kombinieren
In vielen Fällen ist eine Kombination verschiedener Betreuungsformen sinnvoll. Beispiele:
- Angehörige übernehmen einen Teil der Pflege
- ein ambulanter Pflegedienst unterstützt medizinisch
- eine Betreuungsperson hilft im Alltag
So kann eine Lösung entstehen, die sowohl den Bedürfnissen des Pflegebedürftigen als auch der Angehörigen gerecht wird.
Herausforderungen für Angehörige: Pflege und Beruf vereinbaren
Wenn ein Familienmitglied pflegebedürftig wird, betrifft das meist nicht nur eine Person – sondern das gesamte Umfeld. In Deutschland wird ein Großteil der Pflege von Angehörigen übernommen, oft zusätzlich zu Beruf, Familie und eigenen Verpflichtungen.
Viele Menschen geraten dadurch in eine Mehrfachbelastung: Sie möchten für ihre Eltern oder Partner da sein, gleichzeitig aber auch weiterhin arbeiten und ihre eigene Familie versorgen. Typische Herausforderungen für pflegende Angehörige sind:
- Zeitmangel und organisatorischer Druck
- körperliche Belastung durch Pflegeaufgaben
- emotionale Sorgen um den Angehörigen
- finanzielle Unsicherheiten
- Konflikte zwischen Beruf und Pflegeverantwortung
Gerade zu Beginn unterschätzen viele Familien den tatsächlichen Pflegeaufwand. Deshalb ist es wichtig zu wissen, dass es gesetzliche Unterstützungsangebote gibt.
Gesetzliche Möglichkeiten zur Entlastung
Um Angehörige zu unterstützen, hat der Gesetzgeber verschiedene Regelungen geschaffen. Diese sollen es erleichtern, Pflege und Beruf miteinander zu vereinbaren.
Die wichtigsten Optionen sind:
| Regelung | Dauer | Zweck |
|---|---|---|
| Kurzzeitige Arbeitsverhinderung | bis zu 10 Tage | Organisation der Pflege in einer akuten Situation |
| Pflegezeit | bis zu 6 Monate | vollständige oder teilweise Freistellung vom Beruf |
| Familienpflegezeit | bis zu 24 Monate | reduzierte Arbeitszeit bei gleichzeitigem Einkommen |
Pflegeunterstützungsgeld
Wenn ein Angehöriger plötzlich pflegebedürftig wird, können Beschäftigte kurzfristig der Arbeit fernbleiben, um die Pflege zu organisieren.
Während dieser Zeit besteht Anspruch auf Pflegeunterstützungsgeld. Diese Leistung ersetzt einen Teil des entfallenden Einkommens. Typische Gründe für diese kurzfristige Auszeit:
- Organisation der häuslichen Pflege
- Gespräche mit Pflegekasse oder Ärzten
- Suche nach einem geeigneten Betreuungskonzept
Pflegezeit
Die sogenannte Pflegezeit ermöglicht es Arbeitnehmern, sich bis zu sechs Monate vollständig oder teilweise von der Arbeit freistellen zu lassen, um einen nahen Angehörigen zu pflegen.
Voraussetzungen:
- Unternehmen mit mehr als 15 Mitarbeitern
- Pflege eines nahen Angehörigen
- Pflege erfolgt überwiegend zu Hause
Während dieser Zeit kann ein zinsloses staatliches Darlehen beantragt werden, um finanzielle Einbußen abzufedern.
Familienpflegezeit
Die Familienpflegezeit richtet sich an Angehörige, die ihre Arbeitszeit über einen längeren Zeitraum reduzieren möchten. Die Merkmale:
- Reduzierung der Arbeitszeit auf mindestens 15 Stunden pro Woche
- Laufzeit bis zu 24 Monate
- ebenfalls Möglichkeit eines staatlichen Darlehens
Diese Lösung eignet sich besonders, wenn Pflege über einen längeren Zeitraum organisiert werden muss.
Praxis-Tipp
Sprechen Sie frühzeitig mit Ihrem Arbeitgeber über Ihre Situation. Viele Unternehmen zeigen Verständnis und unterstützen Mitarbeitende dabei, eine tragfähige Lösung zu finden.
Wenn Angehörige an ihre Grenzen kommen
Trotz aller Unterstützung kann die Pflege eines Familienmitglieds sehr belastend sein. Viele pflegende Angehörige berichten von:
- Schlafmangel
- körperlicher Erschöpfung
- emotionalem Stress
- sozialer Isolation
Deshalb ist es wichtig, rechtzeitig über Entlastungsmöglichkeiten nachzudenken. Neben ambulanten Pflegediensten oder Tagespflege kann auch eine Betreuung im eigenen Zuhause eine Lösung sein, um Angehörige zu entlasten und gleichzeitig ein Leben in der vertrauten Umgebung zu ermöglichen.
Vorsorge für den Pflegefall
Pflegebedürftigkeit tritt häufig unerwartet ein – etwa durch Krankheit oder einen Unfall. Umso wichtiger ist es, rechtzeitig vorzusorgen, solange man noch selbst Entscheidungen treffen kann. Zwei Dokumente spielen dabei eine besonders wichtige Rolle:
- Vorsorgevollmacht
- Patientenverfügung
Sie helfen Angehörigen und Ärzten, im Ernstfall im Sinne der betroffenen Person zu handeln.
Experten-Tipp
Sprechen Sie frühzeitig mit Ihren Angehörigen über Ihre Wünsche für den Pflegefall. Offene Gespräche können später viele Unsicherheiten vermeiden.
Unterstützung bei der Pflege zu Hause
- Wie lässt sich Pflege rund um die Uhr sicherstellen?
- Wie können Angehörige entlastet werden?
- Welche Betreuung passt zur individuellen Situation?
Die passende Unterstützung für Ihre Situation
Neben ambulanten Pflegediensten oder Tagespflege kann eine Betreuung im eigenen Zuhause eine sinnvolle Ergänzung sein. Dabei unterstützt eine Betreuungsperson den Alltag des Pflegebedürftigen – zum Beispiel durch:
- Hilfe im Haushalt
- Unterstützung bei der Körperpflege
- Begleitung im Alltag
- Gesellschaft und soziale Aktivität
So können pflegebedürftige Menschen häufig weiterhin in ihrer gewohnten Umgebung leben, während Angehörige entlastet werden.
Wenn Sie sich über Möglichkeiten der häuslichen Betreuung informieren möchten, kann eine unverbindliche Beratungbei unshelfen, die passende Lösung für Ihre Familie zu finden.
Unser Tipp: Pflegebedürftigkeit verstehen und frühzeitig handeln
Pflegebedürftigkeit ist für viele Familien ein einschneidendes Ereignis. Doch mit den richtigen Informationen und einer guten Planung lässt sich die Situation oft deutlich besser bewältigen.
Die wichtigsten Punkte im Überblick:
- Pflegebedürftigkeit ist gesetzlich im Sozialgesetzbuch XI geregelt.
- Ein Antrag bei der Pflegekasse ist der erste Schritt zur Unterstützung.
- Der Medizinische Dienst (MD) beurteilt anhand eines standardisierten Verfahrens die Selbstständigkeit im Alltag.
- Je nach Pflegegrad stehen verschiedene Leistungen der Pflegeversicherung zur Verfügung.
- Für Angehörige gibt es gesetzliche Möglichkeiten, Pflege und Beruf zu vereinbaren.
- Vorsorge durch Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung erleichtert Entscheidungen im Ernstfall.
Vor allem aber gilt: Pflege ist keine Aufgabe, die man alleine bewältigen muss. Es gibt zahlreiche Unterstützungsangebote – von finanziellen Leistungen bis hin zu verschiedenen Formen der Betreuung.
Wer sich frühzeitig informiert und Hilfe annimmt, kann dafür sorgen, dass pflegebedürftige Menschen würdevoll, sicher und möglichst selbstbestimmt leben können.
FAQ – Häufige Fragen zur Pflegebedürftigkeit
Dabei kann es sich um körperliche, kognitive oder psychische Einschränkungen handeln – zum Beispiel Probleme bei der Mobilität, Orientierung oder Selbstversorgung.
Der Antrag wird bei der Pflegekasse gestellt, die zur jeweiligen Krankenversicherung gehört. Der Ablauf ist in der Regel:
- Antrag bei der Pflegekasse stellen (telefonisch, schriftlich oder online)
- Begutachtung durch den Medizinischen Dienst (MD) oder Medicproof
- Bescheid über den Pflegegrad
Ein formloser Antrag reicht zunächst aus. Leistungen werden ab dem Monat der Antragstellung gewährt.
- In den letzten 10 Jahren müssen mindestens 2 Jahre Beiträge zur Pflegeversicherung gezahlt worden sein.
In den meisten Fällen ist diese Voraussetzung automatisch erfüllt, wenn jemand gesetzlich oder privat krankenversichert ist.
- Bei gesetzlich Versicherten erfolgt die Begutachtung durch den Medizinischen Dienst (MD).
- Bei privat Versicherten übernimmt dies Medicproof.
| Pflegegrad | Definition / Ausmaß der Beeinträchtigung |
|---|---|
| Pflegegrad 1 | geringe Beeinträchtigung der Selbstständigkeit |
| Pflegegrad 2 | erhebliche Beeinträchtigung |
| Pflegegrad 3 | schwere Beeinträchtigung |
| Pflegegrad 4 | schwerste Beeinträchtigung |
| Pflegegrad 5 | schwerste Beeinträchtigung mit besonderen Anforderungen an die Pflege |
Pflegebedürftige können verschiedene Leistungen der Pflegeversicherung nutzen, zum Beispiel:
- Pflegegeld für Angehörige, die die Pflege übernehmen
- Pflegesachleistungen durch einen ambulanten Pflegedienst
- Entlastungsbetrag von 131 Euro monatlich
- Pflegehilfsmittel (bis zu 42 Euro monatlich)
- Zuschüsse für Wohnraumanpassungen (bis zu 4.180 Euro)
Viele Familien kombinieren mehrere Leistungen, um eine passende Betreuung zu organisieren.
- Der Widerspruch muss innerhalb eines Monats nach Erhalt des Bescheids erfolgen.
- In vielen Fällen wird anschließend eine erneute Begutachtung durchgeführt.
Es kann hilfreich sein, zusätzliche ärztliche Unterlagen oder ein detailliertes Pflegetagebuch vorzulegen.
- schwere Krankheiten
- chronische Erkrankungen
- Unfälle
- angeborene Einschränkungen
Die Leistungen der Pflegeversicherung gelten grundsätzlich für alle Altersgruppen.
Ja, absolut. Wer sich für die Pflege in den eigenen vier Wänden entscheidet, hat heute verschiedene Möglichkeiten, die Betreuung sicherzustellen. Am besten unterscheidet man dabei zwischen der grundlegenden Begleitung im Alltag und der fachlichen Unterstützung von außen:
- Die tägliche Betreuung: Hier liegt die Hauptverantwortung für die Präsenz im Haus. Dabei kann die Pflege durch Angehörige geleistet oder durch eine sogenannte 24 Stunden Pflege organisiert werden. In diesem Modell lebt eine Betreuungskraft mit im Haushalt und unterstützt bei der Grundpflege, der Hauswirtschaft und der Alltagsbegleitung.
- Ergänzende Unterstützung: Ein ambulanter Pflegedienst ist eine wichtige Ergänzung für medizinische Fachleistungen (wie Verbandswechsel oder Injektionen), kann aber die tägliche Anwesenheit nicht ersetzen.
- Zeitweise Entlastung: Angebote wie die Tagespflege dienen dazu, den Pflegebedürftigen soziale Kontakte zu ermöglichen und den pflegenden Angehörigen eine nötige Atempause zu verschaffen.
Welche Lösung am besten geeignet ist, hängt ganz von der individuellen Pflegesituation und dem Pflegebedarf ab.
- die Organisation der Pflege
- die Beantragung von Leistungen
- wichtige Vorsorgeentscheidungen
Wer sich rechtzeitig informiert, kann die Situation oft deutlich entspannter bewältigen.
Markus Küffel gründete die Pflege zu Hause Küffel GmbH in Hamburg und verfügt über 20 Jahre Erfahrung im Bereich häusliche Pflege und Betreuung. Als Diplom Gesundheitswissenschaftler und examinierter Gesundheits- und Krankenpfleger bringt er umfassendes Fachwissen und praxisnahe Erfahrung in die Vermittlung von Betreuungskräften ein.
Vor der Gründung seines Unternehmens war er in verschiedenen Bereichen des Gesundheitswesens tätig und sammelte umfangreiche und wertvolle Einblicke in die Bedürfnisse von Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen. Mit seinem Ratgeber „24 Stunden Pflege zu Hause – So finden Sie die optimale Betreuung“ (Springer, 2021) sowie seiner Mitwirkung an der Entwicklung des derzeit ersten und einzigen Qualitätsstandards der sog. DIN SPEC 33454 setzt er sich aktiv für Transparenz und Qualität in der häuslichen Betreuung ein.
Von 2018 bis 2020 war er Vorstandsmitglied des Bundesverbandes für häusliche Betreuung und Pflege. Seit August 2019 gehört Küffel dem interdisziplinären Forschungsnetzwerk „Osteuropäische Betreuungskräfte“ der Evangelische Hochschule Nürnberg an.
Für weitere Informationen zu Markus Küffel, besuchen Sie gerne seine Autorenseite.



