Sterben, Tod und Trauer – Bewältigung, & Begleitung für Angehörige
Ob aufgrund des Alters oder durch eine schwere Erkrankung: Wenn es keine Aussicht auf eine Heilung gibt, ist es Zeit, Abschied zu nehmen. Während Sterben und Tod früher noch zum alltäglichen Leben dazu gehörten, sind diese Themen heute vielfach tabuisiert und mit unausgesprochenen Ängsten für Betroffene sowie Angehörige verbunden. Der Kerngedanke der modernen Palliativmedizin und Palliativversorgung ist es daher, den letzten Lebensabschnitt eines Menschen so angenehm und würdevoll wie möglich zu gestalten und auch Angehörigen dabei Halt und Trost zu spenden.
In Würde Abschied nehmen und die letzten Lebenstage mit so viel Fürsorge und Zuwendung wie möglich verbringen: Erfahren Sie mit Pflege zu Hause Küffel mehr über Palliativmedizin.
Den Sterbeprozess verstehen: Körperliche und seelische Anzeichen
Das Sterben ist ein natürlicher, schrittweiser Prozess, bei dem der Körper seine Organfunktionen nach und nach herunterfährt. Wenn Angehörige wissen, welche Veränderungen normal sind, nimmt dies oft die Angst:
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Nachlassen von Appetit und Durst: Sterbende Menschen benötigen kaum noch Nahrung oder Flüssigkeit. Ein Zwingen zum Essen oder Trinken belastet den Organismus; wichtig ist stattdessen das regelmäßige Befeuchten von Lippen und Mundhöhle.
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Zunehmende Müdigkeit und Rückzug: Die Schlaf- und Ruhephasen werden immer länger. Der Sterbende zieht sich innerlich zurück und reagiert weniger auf äußere Reize.
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Veränderung der Atmung: Die Atmung kann unregelmäßig werden (Cheyne-Stokes-Atmung) oder flacher ausfallen. Das sogenannte „Rasseln“ entsteht durch Schleimansammlungen im Rachenraum, die der Sterbende nicht mehr abhusten kann – für Angehörige klingt es oft bedrohlicher, als es für den Sterbenden selbst ist.
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Körperliche Kälte und Hautveränderungen: Da der Kreislauf zentralisiert wird, kühlen Hände, Füße, Nasenspitze und Knie zuerst ab. Die Haut kann marmoriert oder fahl wirken.
Sterbebegleitung zu Hause: Was Angehörige tun können
Wenn der Tod eintritt: Die ersten Schritte und Formalitäten
Tritt der Tod im häuslichen Umfeld ein, herrscht im ersten Moment oft Schock. Wichtig zu wissen: Sie müssen nichts überstürzen. Sie haben Zeit, innezuhalten und Abschied zu nehmen.
Was sofort zu tun ist:
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Arzt verständigen: Rufen Sie den Hausarzt oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Tel. 116 117), um den Tod offiziell festzustellen und den Totenschein (Todesbescheinigung) auszustellen.
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Zeit zum Abschiednehmen nutzen: Verstorbene dürfen in den meisten Bundesländern bis zu 24 bzw. 36 Stunden zu Hause verbleiben. Nutzen Sie diese Zeit im Familienkreis, um am Totenbett Abschied zu nehmen, eine Kerze anzuzünden oder Musik zu spielen.
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Bestattungsinstitut kontaktieren: Erst nach Ausstellung des Totenscheins informieren Sie einen Bestatter Ihres Vertrauens. Dieser kümmert sich um die Überführung und unterstützt Sie bei der Organisation der Beisetzung.
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Wichtige Dokumente bereitlegen: Personalausweis des Verstorbenen, Geburtsurkunde, ggf. Heiratsurkunde bzw. Sterbeurkunde des Partners und die Todesbescheinigung des Arztes
Die Phasen der Trauer: Seelischer Schmerz als Heilungsprozess
Trauer ist keine Krankheit, sondern eine lebensnotwendige, gesunde Reaktion auf den Verlust eines Menschen. Trauer verläuft nicht linear, folgt aber häufig den bekannten Trauerphasen (angelehnt an das Phasenmodell von Verena Kast):
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Phase 1: Nicht-Wahrhaben-Wollen (Schock): Betroffene fühlen sich oft betäubt, innerlich erstarrt oder funktionieren mechanisch. Das Unfassbare wird vom Bewusstsein noch abgewehrt.
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Phase 2: Aufbrechende Emotionen: Schmerz, Wut, Verzweiflung, Schuldgefühle oder Angst brechen unkontrolliert hervor. Diese Gefühle sind schmerzhaft, aber elementar wichtig für die Verarbeitung.
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Phase 3: Suchen, Finden und Sich-Trennen: Orte und Erinnerungen an den Verstorbenen werden aufgesucht. Alte Gewohnheiten werden hinterfragt; schrittweise wird akzeptiert, dass der Mensch nicht mehr körperlich wiederkehrt.
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Phase 4: Neuer Selbst- und Weltbezug: Die Trauer tritt in den Hintergrund und macht Platz für Dankbarkeit. Der Verstorbene bekommt einen festen Platz im Herzen, während die Lebensfreude und der Blick in die Zukunft zurückkehren.
Hilfe und Hilfsangebote für Trauernde
Niemand muss mit seiner Trauer allein bleiben. Wenn der Schmerz den Alltag über Monate hinweg lähmt, gibt es vielfältige Anlaufstellen:
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Ehrenamtliche Hospiz- und Trauergruppen: Gespräche mit Menschen, die Ähnliches erlebt haben, nehmen das Gefühl der Isolation.
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Professionelle Trauerbegleitung: Ausgebildete Trauerbegleiter bieten Einzelgespräche an, um schwierige Verlusterfahrungen aufzuarbeiten.
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Telefonseelsorge: Rund um die Uhr anonym und kostenlos unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 erreichbar.
Palliativversorgung zu Hause – Pflegezeitansprüche für Angehörige
Neben diesen Modellen der Palliativversorgung zu Hause haben Sie als berufstätiger, naher Angehöriger die Möglichkeit, sich bis zu 3 Monate teilweise oder auch vollständig von der Arbeit freistellen zu lassen, um in den letzten Tagen für Ihre Liebsten da sein zu können. Diese Pflegezeit müssen Sie bei Ihrem Arbeitgeber ankündigen – ein Musterformular finden Sie auf unserer Seite. Haben Sie noch Fragen zu den Modellen der palliativen Versorgung im eigenen Zuhause? Sprechen Sie uns an – wir sind für Sie da!
Sterbebegleitung in häuslicher Pflege – was Sie wissen sollten
Genauso wie die häusliche Pflege bedarf auch die Pflege Sterbender spezieller Kenntnisse. Glücklicherweise gibt es hierzu eine Vielzahl an leicht verfügbaren Informationen. Wenn Sie sich für die häusliche Pflege eines Sterbenden entschieden haben, sollten auch die räumlichen Gegebenheiten dafür vorbereitet werden.
Das heißt, dass das Pflegebett und die notwendigen Hilfsmittel der täglichen Pflege vorhanden sein müssen. Stellen Sie im Vorfeld sicher, dass eine verlässliche Betreuung durch den Hausarzt gewährleistet ist. Auch die Frage der Schmerzbehandlung sollte vorab geklärt werden und nicht erst dann, wenn Schmerzen eintreten.
Der Umgang mit dem Abschied – Angehörige am Lebensende begleiten
Seien Sie ganz und gar für den Sterbenden da, wenn Sie ihn besuchen. Häufig ist bei Sterbenden das Bedürfnis sehr hoch, sich mit ihren Lieben auszutauschen. Reden Sie miteinander. Sprechen Sie über alles, was ihm auf dem Herzen liegt. Blenden Sie dabei schwierige Themen nicht aus oder blocken Sie diese nicht kategorisch ab – alles, was den Sterbenden bewegt, ist in dieser Phase elementar. Sie müssen oftmals gar keine Lösungen suchen oder finden, sondern ganz einfach nur Anteil nehmen und beschwichtigend reagieren.
Vermitteln Sie ihm das Gefühl, dass Sie seine Gedanken mittragen, „verschonen” Sie ihn aber auch nicht gänzlich mit Ihren Gedanken und Gefühlen, beispielsweise von Abschied und Trauer. Zeigt der Sterbende Angst, strahlen Sie ihm gegenüber Ruhe aus – besonders dann, wenn angstmachende Gedanken aufkommen oder gar Halluzinationen auftreten sollten.
Sie sind nicht allein!
Machen Sie sich zudem bewusst: Sie sind nicht allein! Nicht nur Angehörige und Freunde können Sie unterstützen, sondern auch professionelle Fachkräfte spezialisierter ambulanter Palliativ-Versorgungsdienste (SAPV), Palliativmediziner, professionelle Sterbebegleiter oder sonstige Seelsorger und/oder Psychologen (siehe auch: Palliativpflege – ambulant oder stationär?).
Sie sollten eine solche Hilfe frühzeitig recherchieren und organisieren. Bringen Sie in Erfahrung, welche Leistungen bzw. Hilfen in Ihrer Nähe dahingehend überhaupt verfügbar sind.
Sie leisten einen wertvollen Dienst
Stellen Sie sich darauf ein, dass dieser letzte Abschnitt auch für Sie einige Herausforderungen jenseits der Trauerarbeit bereithalten wird. Gerade die Sehnsucht nach dem Tod, die einige Pflegebedürftige gegen Ende des Lebens entwickeln, ist für die meisten pflegenden Angehörigen seelisch sehr belastend. Besonders wenn sie sich viele Jahre für eine liebevolle Pflege ihres Angehörigen aufgeopfert haben, kann sich der Todeswunsch wie eine Nichtanerkennung der eigenen Mühen anfühlen. Es kommt gelegentlich auch vor, dass sich die Gefühle der sterbenden Person in Aggression gegen ihre Angehörigen äußern.
Dies ist meist nicht persönlich gemeint, sondern fast immer ein Zeichen von Angst, Verzweiflung und Hilflosigkeit.
Seien Sie gewiss: Sie leisten einen wertvollen Dienst, der Ihnen hoch anzurechnen ist und der beiden Seiten einen liebevollen Abschied in Frieden ermöglicht.
Bereits ein Händedruck hilft Ihrem Angehörigen
Versichern Sie dem Sterbenden, vor allem in scheinbar geistig abwesenden oder aufwühlenden Phasen, dass Sie da sind. Dafür reichen oftmals schon ein zärtlicher Händedruck und ein paar beruhigende Worte aus.
Das Sterben eines geliebten Menschen bedeutet auch für die Angehörigen, aushalten zu lernen. Auszuhalten, dass ein geliebter Mensch nicht mehr essen und trinken möchte, dass sich sein Bewusstsein verändert, bis es schließlich ganz verlischt, sich seine Atmung verlangsamt und aussetzt. Auch die Atemgeräusche innerhalb der letzten Lebensminuten oder Stunden sind für uns ungewohnt und wirken beängstigend. Je besser wir auf diese möglichen Veränderungen vorbereitet sind, desto bewusster können wir ihnen begegnen und standhalten.
Reden Sie auch darüber, wie es nach dem Tod weitergehen soll. Dies kann auch besonders für Sie hilfreich sein! Sollte der Sterbende irgendwann nicht mehr gut sprechen können, dann verständigen Sie sich mit ihm verstärkt über Handzeichen und Berührungen. Oder Sie formulieren Fragen, die er nur mit „Ja“ oder „Nein“ oder mit Gesten beantworten kann.
Häufig ist zu beobachten, dass Sterbende genau dann versterben, wenn die Angehörigen (kurz) abwesend sind. Sollte dies auch bei Ihnen geschehen, machen Sie sich keine Vorwürfe! Denn es könnte genau dieser Moment des Alleinseins gewesen sein, der es dem Verstorbenen ermöglicht hat, das Leben loszulassen.
Beachten Sie: Bei allem Engagement und bei aller Fürsorge, die Sie dem Sterbenden entgegenbringen, sollten Sie dennoch auch an sich selbst denken und Ihre eigenen körperlichen und seelischen Belastungsgrenzen im Blick behalten!
Palliativversorgung in Hospiz & Palliativstation: Ganzheitliche Betreuung im letzten Lebensabschnitt
Informationen aus erster Hand – lesen Sie auch unser Experteninterview mit Berit Darmann
Sie möchten mehr über den Alltag in einem Hospiz wissen? Unsere Neukundenbetreuerin Berit Darmann hat mehrere Jahre in einem Hospiz gearbeitet und uns in einem Experteninterview einige interessante Eindrücke vermittelt. Das Gespräch finden Sie in hier auf unserem Blog.
Eine weitere Möglichkeit, mehr zum Thema zu erfahren, ist der jährlich stattfindende Deutsche Hopiztag. Dieser wurde im Jahr 2000 ins Leben gerufen, um der Situation von schwerstkranken und sterbenden Menschen mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen. Viele Hospize organisieren eigene Veranstaltungen wie Vorträge, Gedenkgottesdienste und ähnliches, um die Tabuthemen Sterben und Tod wieder im gesellschaftlichen Bewusstsein zu verankern und die Angst vor dem Abschied so gut es geht zu nehmen.
Sterbebegleitung in einer externen Einrichtung
In Krankenhäusern, Pflegeheimen und Hospizen ist im Regelfall eine Sterbebegleitung durch Angehörige nicht nur erlaubt, sondern häufig sogar ausdrücklich erwünscht. Die dort arbeitenden Fachkräfte unterstützen Sie dabei. Sollten Sie sich also die Pflege eines Sterbenden nicht zutrauen, oder die Person liegt bereits im Krankenhaus und Sie möchten ihr keinen weiteren Transport mehr zumuten, bedeutet eine Unterbringung im Heim nicht zwangsweise, dass darunter auch der persönliche Abschied aus dem Leben leiden muss.
Selbst ein Krankenhauszimmer lässt sich mit Blumen, Bildern und weiterer Dekoration zu einem „warmen“ Ort herrichten. Auch leise Musik, elektrische Kerzen oder andere Gegenstände, die der Sterbende gern um sich hat, vermitteln ein persönlicheres Umfeld. Das wichtigste aber sind Sie, Ihre persönliche Anwesenheit! Doch Sie können nicht immer vor Ort sein. Wechseln Sie sich, wenn möglich, mit anderen nahestehenden Personen ab. Fragen Sie nach Unterstützungsmöglichkeiten beim anwesenden Fachpersonal.
Markus Küffel gründete die Pflege zu Hause Küffel GmbH in Hamburg und verfügt über 20 Jahre Erfahrung im Bereich häusliche Pflege und Betreuung. Als Diplom Gesundheitswissenschaftler und examinierter Gesundheits- und Krankenpfleger bringt er umfassendes Fachwissen und praxisnahe Erfahrung in die Vermittlung von Betreuungskräften ein.
Vor der Gründung seines Unternehmens war er in verschiedenen Bereichen des Gesundheitswesens tätig und sammelte umfangreiche und wertvolle Einblicke in die Bedürfnisse von Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen. Mit seinem Ratgeber „24 Stunden Pflege zu Hause – So finden Sie die optimale Betreuung“ (Springer, 2021) sowie seiner Mitwirkung an der Entwicklung des derzeit ersten und einzigen Qualitätsstandards der sog. DIN SPEC 33454 setzt er sich aktiv für Transparenz und Qualität in der häuslichen Betreuung ein.
Von 2018 bis 2020 war er Vorstandsmitglied des Bundesverbandes für häusliche Betreuung und Pflege. Seit August 2019 gehört Küffel dem interdisziplinären Forschungsnetzwerk „Osteuropäische Betreuungskräfte“ der Evangelische Hochschule Nürnberg an.
Für weitere Informationen zu Markus Küffel, besuchen Sie gerne seine Autorenseite.


